Progressive Führung durch bewusste Wortwahl

Steffen sprach am 18. Mai 2022 mit Daniel


Daniel, was ist progressive Führung?


Progressivität bedeutet Fortschritt. Nach vorne gehen, also agieren und motivieren, nicht reagieren. Es ist eine Art und Weise, die Lösung auf ein Problem zu suchen, anstatt sich damit aufzuhalten, nach der Ursache zu forschen. Man versucht damit nicht, etwas rückgängig zu machen. Und als Führungskraft oder Teammitglied leitest du deine Mitarbeitenden dabei an und hilfst ihnen, sich selbst zu aktivieren, die Lösungen zu finden und umzusetzen.


Wie beeinflusse ich das durch meine Wortwahl?


Um motiviert zu sein, in einer Sache voranzukommen, muss ich ein Motiv, ein Bedürfnis haben. Ich kann das Bedürfnis bekommen, wenn ich mich zu der Sache eingeladen fühle. Und eine Einladung erhalte ich durch die Sprache.


Konkret heißt das zum einen, auf die Fragen zu achten, die du stellst. Ein negatives Beispiel ist "Wer hat das getan?". Das wirkt häufig wenig einladend, denn vielleicht suche ich das Problem nur bei mir selbst. Die gute Frage hingegen lautet "Was machen wir damit?".


Die Verwendung des "Wir" anstelle des "Ich" hilft hier, sich als Teil des Ganzen zu verstehen und den Fortschritt im Team zu beschreiben. Es ist etwas anderes zu sagen "Ich würde gerne" als "Wie wäre es, wenn wir Folgendes tun?".


Außerdem wird eine progressive Diskussion durch verbindliche, verbindende Wörter und keine stoppenden Wörter unterstützt. Ein gutes Beispiel ist "Ja, und ..." statt "Ja, aber ...". So können wir die Ideen, die aufkommen, miteinander verbinden und gemeinsam auf ein Ziel zusteuern. Das "aber" hingegen gibt uns einen gedanklichen Stopper.


Das sind meine grundlegenden Schlüssel zur Wortwahl bei der progressiven Führung.


Und ein letzter Tipp, um den Fortschritt verbindlich zu gestalten. Verzichte auf Konjunktive, d. h. "hätte, wäre, könnte". "Das werden wir tun" ist viel anregender als "Das könnten wir tun".


Wann hast du den Ansatz das letzte Mal angewendet?


Ich benutze das jeden Tag. Eine typische Situation ist, wenn jemand im Team sagt "Wir brauchen dies und das. Was können wir tun?". Eine häufige Frage lautet auch "Wer kann das tun?".


Bei der Frage nach dem "Wer" frage ich dann zuerst, "was" getan werden muss, anstatt es auf eine einzelne Person zu beziehen. Durch die Frage "Was sind die Schritte?" können wir besser ableiten, wie wir auf den Weg zur Lösung kommen.


Manchmal höre ich auch, dass die Person sich gar nicht sicher ist, ob wir eine Sache überhaupt tun sollen. Dann frage ich ganz bewusst nach dem Bedarf, also "Warum sollen wir das tun?". Denn wenn wir wissen, ob wir etwas überhaupt tun sollten, können wir immer noch überlegen, wer es dann umsetzt.


Meiner Erfahrung nach führt das zu einer klaren Abfolge von Fragen. Mit der Sequenz von "Warum?", "Was?", "Wie?", "Wer?" kommen wir aktiv und verbindlich zu einer Lösung.


Danke dir!